4. Bürgerwerkstatt in Heubach (Ostalbkreis)

13. Juni 2015 von 10:00-18:00 Uhr

Heubacher und Heubacherinnen entwickeln Ideen der Ressourcenschoung

Am Samstag, den 13. Juni 2015 fand in Heubach (Ostalbkreis), am Nordrand der Schwäbischen Alb gelegen, die vierte Bürgerwerkstatt im Rahmen des Bürgerdialogs GesprächStoff: Ressourcenschonend leben statt. Als offizieller Vertreter des Bundesumweltministeriums begrüßte Dr. Harald Bajorat (Referat für Nationale und grundsätzliche Angelegenheiten der Ressourceneffizienz) in der Stadthalle Heubach die Teilnehmenden zur Bürgerwerkstatt und erläuterte, die Bedeutung der Bürgerbeteiligung für die Fortschreibung des Deutschen Ressourceneffizienzprogramms.

In einer Kennenlernrunde wurde deutlich wie unterschiedlich die beruflichen Hintergründe der Teilnehmenden waren. Diese reichten von der Produktion über Verkauf, Dienstleistungen, Forschung, Handwerk bis hin zur Bildung. So wurde gleich zu Beginn der Bürgerwerkstatt deutlich, welche vielfältigen beruflichen Perspektiven die Diskussion zur Ressourcenschonung prägen würden.

Die Teilnehmenden schlugen vor, dass es - so wie es bereits bei Elektrogeräten eine Kennzeichnungspflicht für die Energieeffizienz eines Produktes gibt – auch eine Kennzeichnungspflicht für Ressourceneffizienz geben sollte. Darüber hinaus sollte auch jedes neue Produkt energie- und ressourceneffizienter sein als das beste Produkt des Vorjahres, so wie dies bereits in Japan umgesetzt wird. Vorgeschlagen wurde auch die Förderung von offener Software, Hardware und Daten, durch die  Benutzer und Benutzerinnen in der Lage gebracht würden, sich Geräte und Programme so zusammenzubauen, wie sie gebraucht würden. Eigene Softwareupdates würden die Notwendigkeit von Neuanschaffungen verhindern. Gefordert wurde auch, das Hersteller und Herstellerinnen verpflichtet werden sollten, reparaturfähige Geräte zu produzieren und darüber hinaus auch Reparaturanleitungen für die Produkte mitzuliefern sowie die Verfügbarkeit von Ersatzteilen für eine bestimme Zeitspanne zu garantieren. Auf diese Weise könnte die Produktlebensdauer erhöht werden.

Als Vorschlag wurde ebenfalls formuliert, dass beim Herausbringen einer Mode-Kollektion immer ein bestimmter Prozent-Anteil an alternativen, ressourcenschonenden Textilien enthalten sein (Hanf/ Baumwolle) muss. Auf diese Weise würde sich der Verbrauch an ressourcenintensiv produzierter Baumwolle verringert. Insgesamt wurden rund 15 Handlungsoptionen von den Bürgerinnen und Bürgern in Heubach ausformuliert. Diese fließen in das Deutsche Ressourceneffizienzprogramm ein.

Die Gmünder Tagspost zeigte sich interessiert und schickte einen Journalisten, um über die Bürgerwerkstatt in Heubach zu berichten.

Foto: Kreuzschnabel/Wikimedia Commons, License: artlibre

Handlungsempfehlungen zur Ressourcenschonung

  • Kleidung

    Beim Herausbringen einer Mode-Kollektion muss immer ein bestimmter Prozent-Anteil an alternativen, ressourcenschonenden Textilien enthalten sein (Hanf/ Baumwolle). Auf diese Weise wird der Verbrauch an ressourcenintensiv produzierter Baumwolle verringert.

  • Kleidung

    Heimische Rohstoffe für Textilien wie Flachs und Leinen sollten gefördert werden, um den hohen Anteil von Baumwolle aus ressourcenintensiven Monokulturen zu verringern. Die Öffentlichkeit müsste in diesem Zuge über die Vorteile von (heimischen) Naturmaterialien informiert werden.

  • Textilien

    Es braucht eine Kennzeichnungspflicht bei Textilien, wie hoch der Ressourcenverbrauch bei der Herstellung dieses Produktes war; z.B. nach einem Ampelsystem grün – gelb – rot. Hersteller/-innen hätten somit den Anreiz, einen grünen Punkt zu erreichen. Verbraucher/ innen würden auf das Thema der Ressourcenschonung aufmerksam gemacht du hätten eine transparente Entscheidungsgrundlage beim Einkaufen.

  • Verkehr

    Verringerung vom Flugverkehr: Flugzeuge, die unter 80% ausgelastet sind, sollten höhere Gebühren (für Start, Landung, Kerosin) zahlen müssen. Damit wird der Anreiz geschaffen, Flugzeuge voll auszulasten. Flugverkehr wird reduziert.

  • Verkehr

    Fahrgemeinschaften sollten durch steuerliche Förderungen oder andere finanzielle Entlastungen attraktiver gemacht werden. Sinnvoll wären extra Fahrspuren für Fahrzeuge mit mehr als einem Insassen, auf denen man schneller vorankommt. Dieses System gibt es in anderen Ländern, z.B. in den USA.

  • Bauen und Wohnen

    So wie es bereits bei Elektrogeräten eine Kennzeichnungspflicht für die Energieeffizienz eines Produktes gibt, sollte es auch eine Kennzeichnungspflicht für Ressourceneffizienz geben. Jedes neue Produkt sollte darüber hinaus energie- und ressourceneffizienter sein als das beste Produkt des Vorjahres. Dies wird in Japan bereits umgesetzt.

  • Verkehr

    Sinnvoll wäre die Reduzierung oder Abschaffung von Dienstfahrzeugen. Arbeitgeber können heute ihren Mitarbeiter/-innen Dienstfahrzeuge zur Verfügung stellen und diese von der Steuer absetzen. Diese Regelung gilt jedoch nicht für Karten für den öffentlichen Nahverkehr. Sinnvoll wäre es, wenn Arbeitgeber ihren Mitarbeiter/-innen Karten für den ÖPNV zur Verfügung stellen und diese steuerlich absetzen können.

  • Bauen

    Durch die finanzielle Förderung von Zisternen in privaten Haushalten und öffentlichen Einrichtungen kann die Regenwassernutzung ausgebaut und der Verbrauch von kostbarem Trinkwasser vermieden werden.

  • Bauen

    Es braucht Förderprogramme für eine dezentrale Energieerzeugung und Energiespeicherung, damit eine Umstellung auf regenerative Energien umgesetzt und damit ein Ausstieg aus der fossilen Energie erfolgen kann.

  • Bauen

    Durch Förderungen und Steuererleichterungen sollten Anreize geschaffen werden, damit Konsument/-innen ihre alten Geräte zum Handel zurück bringen und diese von den produzierenden Firmen in den Verwertungsprozess zurückgeführt werden.

  • IT

    Um eine langfristige Unabhängigkeit von Monopolisten wie Microsoft, Apple und Google zu erlangen, sollten offene Software, Hardware und Daten gefördert werden. Benutzer/-innen wären so in der Lage sich selbst das zusammenbauen, was sie wirklich benötigen. Eigene Softwareupdates würden, die Notwendigkeit von Neuanschaffungen verhindern.

  • IT

    Geräte sollten aufrüstbar und Reparierbar sein, was heute vielfach nicht der Fall ist. Es muss für die Nutzer/-innen die Möglichkeit bestehen, selbständig das Gerät auseinander zu bauen und Ersatzteile eigenständig einzubauen.

  • IT

    Hersteller/-innen sollten verpflichtet werden, reparaturfähige Geräte zu produzieren, Reparaturanleitungen für die Produkte mitzuliefern und die Verfügbarkeit von Ersatzteilen für eine bestimme Zeitspanne zu garantieren.

  • Verpackung

    Auf alle Getränke sollte ein Pfand erhoben werden, z.B. auch auf 1,5 L Flaschen oder auf Saftgetränke. Flaschen sollten generell einen höheren Pfad haben, damit diese tatsächlich zum Laden zurück gebracht werden. Auf Einwegflaschen sollte eine höhere Mehrwertsteuer erhoben werden, damit es attraktiver ist Getränke in Mehrwegflaschen zu kaufen.

Ideensammlung der Teilnehmenden in Heubach


Ergebnisse

Kleidung und Textilien

Alternative Materialien zu Baumwolle: Hanf, Bambus, Heimische Materialien, (Tencel - Eukalyptus-Holz), die weniger Wasser verbrauchen
Kleidung weiterverwenden: Kleiderbörsen
„Schuluniformen“: Konkurrenzdenken und Markenkonsum bei Jugendlichen und Schülern

Bauen und Wohnen

Neubau oder Altbau? Wo ist es notwendig, neu zu bauen oder wo kann man bestehendes umnutzen? Diese Frage spielt auch unter dem Gesichtspunkt des Landverbrauchs eine Roll (möglichst wenig (Grün-)Flächen versiegeln). Wenn, dann sollten vor allem Mehrfamilienhäuser und Mehrgenerationenhäuser gebaut werden. Fenster und Dach sollte man nach bestimmten Himmelsrichtungen ausrichten, um gute Lichtausnutzung zu haben und z.B. für Solarzellen sinnvoll installieren zu können.

IT und Telekommunikation

Hersteller verpflichten: Geräte sollten so produziert werden, dass man sie aufrüsten kann und Teile austauschen kann sowie möglicherweise das Gerät selbst auseinandernehmen kann. Die Standardisierung von elektrischen Geräten wie bei den Netzteilen sollte vorangetrieben werden. Rücknahme und Recycling: Hersteller sollen verpflichtet werden, kaputte Geräte zurückzunehmen und diese zu Recyclen.

Verpackung und Abfallvermeidung

Überflüssige Verpackung (z.B. Verpackung in der Verpackung) vermeiden, insbesondere da die Füllmenge oftmals geringer ist (Verpackungen sind oft Mogelpackungen). Dabei sollte auch auf „besondere“ Verpackungen geachtet werden, die aus Werbezwecken für die attraktive Darstellung von Produkten dienen.
Mischverpackungen - Alu, Plastik, Papier, Plastikverpackungen- reduzieren.

Verkehr, Tourismus und Freizeit

Verkehr: Abschaffung von indirekter Subvention der deutschen Autoindustrie durch Firmenfahrzeuge mit großem Hubraum. Dienstwagen-Privileg abschaffen oder zumindest reduzieren.
Tourismus: Verpflichtung der Reiseanbieter eine Gesamtenergiebilanz für meine nächste Urlaubsreise zu erstellen.