3. Bürgerwerkstatt in Hameln

30. Mai 2015 von 10:00-18:00 Uhr

Hamelner Bürgerinnen und Bürger entwickeln Handlungsempfehlungen zur Ressourcenschonung

Die dritte Bürgerwerkstatt des Bürgerdialogs „GesprächStoff: Ressourcenschonend leben“ fand am  30. Mai 2015 im Weserbergland-Zentrum in Hameln statt. Frau Dr. Kora Kristof vom Umweltbundesamt begrüßte die rund 40 Teilnehmenden und unterstrich die Bedeutung des Bürgerdialogs für die Fortführung des Deutschen Ressourceneffizienzprogramms (ProgRess II). Für die politisch Verantwortlichen sei es wichtig zu wissen, in welchen Lebensbereichen die Bürgerinnen und Bürger Handlungsbedarf in Sachen Ressourcenschonung sehen, um dies in ProgRess II berücksichtigen zu können. Die Sorge eines Teilnehmenden, es würde ein Papier erarbeitet, das später in der Schublade verschwinde, konnte Dr. Kora Kristof nehmen: Das Programm ist die politische Grundlage, anhand der es in den nächsten vier Jahren zu Gesetzesnovellierungen im Bereich der Ressourcenschonung kommen wird. Im Jahr 2020 erfolgt dann eine weitere Überarbeitung des Programms.

Klaus Wiesen, Experte des Wuppertal-Instituts, führte die Teilnehmenden gedanklich in das komplexe Thema der Ressourcenschonung ein. Dabei brachte er auch Beispiele dafür, wie hoch der Ressourcenverbrauch einzelner Produkte ist: So wiege ein typisches Smartphone beispielsweise 120 g, der Ressourcenverbrauch in der Herstellung betrage hingegen rund  ca. 60 Kilogramm, so Klaus Wiesen. Ähnliche Vergleiche lassen sich für alle unsere Produkte ziehen. Der „ökologische Rucksack“ der Produkte ist demnach um ein vielfaches höher als das Gewicht des Produktes selbst. Wie viele Ressourcen bei Rohstoffabbau, Herstellung, Nutzugsdauer und Entsorgung verbraucht werden, ist für Konsumenten und Konsumentinnen in der Regel nicht erkennbar.

In wechselnden Kleingruppen diskutierten die Teilnehmenden über den gesamten Tag mit großem Engagement und erarbeiteten vielfältige Handlungsempfehlungen. Besonders großes Interesse zeigten die Hamelner und Hamelnerinnen am Themenfeld Verpackung und Abfallvermeidung. Sie  sprachen sich für eine schärfere Verpackungsverordnung aus, die den Wegfall von Mehrverpackungen beinhalte und Verpackungsalternativen fördere. Neben Forderungen nach strengeren Gesetzen empfahlen die Teilnehmenden der Bürgerwerkstatt auch Anreize zur Ressourcenschonung zu setzen, wie beispielsweise einen Wettbewerb für nachhaltige Modemarken oder eine Gamification-APP, in der Nutzer und Nutzerinnen spielerisch in Ressourcenschonung konkurrieren können.

Die Veranstaltung wurde von einem Journalisten des Deutschlandfunks besucht, der einen Radiobeitrag für Anfang Juni plant.

 

Foto: Andreas Trapp / pixelio.de

Handlungsempfehlungen zur Ressourcenschonung

  • Verpackung

    Bestimmte Verpackungen aus Aluminium, speziell für Lebensmittel und Kosmetik sollten vermieden oder drastisch auf das Nötigste reduziert werden. Dazu gehören z.B. Getränkedosen, Aluminiumdeckel auf Joghurtbechern, Tuben (z.B. Senf).“

  • Textilien

    Es ist wichtig die Gesellschaft hinsichtlich der Herstellung von Textilien zu sensibilisieren, um eine Wertschätzung der Materialien zu erwirken. Eine Maßnahme wäre, in Lehrplänen Handarbeitsunterricht zu integrieren mit dem Ziel in kreativer Weise aus alten Textilien, neue Mode zu erschaffen.

  • Kleidung

    Einführung einer europäischen Kennzeichnungspflicht für alle Textilien mit einem Siegel, bei dem folgende Kriterien berücksichtigt werden: soziale Kriterien, Umweltauswirkungen (Ressourcen- und Wasserverbrauch, Chemikalieneinsatz), Qualitätsgarantie (Langlebigkeit).

  • Verkehr

    Weg vom Besitzen, hin zum Benutzen - auch beim Autofahren! Mietautos, Car-Sharing und Fahrgemeinschaften sind gute Alternativen, durch die das Autofahren reduziert wird. Weniger neue Autos kaufen, sondern Altautos länger nutzen!

  • Verkehr

    Es braucht eine übergeordnete Instanz auf Bundesebene (nicht nur der regionalen Ebene), die über die notwendigen Mittel verfügt, um eine ressourcenschonende Mobilität umzusetzen, quasi das Bundesministeriums für ressourcenschonende Mobilität, Radverkehr und ÖPNV.

  • IT

    Bei Rückgabe von Altgeräten von Produkten des IT und Telekommunikation-Sektors und Neukauf eines Produktes des gleichen Bereichs erfolgt eine prozentuale Minderung der Mehrwertsteuer des neuen Gerätes bei dem Endverbraucher.

  • Verkehr

    Ein spielerischer Ansatz zur Ressourcenschonung wäre eine APP, bei der Nutzer/innen in der Ressourcenschonung konkurrieren. Für einen bestimmten Zeitraum stehen Freunde/ Bekannte in einem Wettbewerb, wer bspw. häufiger das Auto stehen lässt und mit Rad oder ÖPNV unterwegs ist.

  • IT

    Verbot digitaler Sollbruchstellen: Elektronische Geräte, die über eine durch Software oder Sensorik gesteuerte Nutzungseinschränkung verfügen, dürfen nicht dem EU-Markt zugeführt werden. Beispiel: vorzeitige Meldung des Druckers, dass Patronen leer seien oder eine Meldung von Funktionsstörung ab einer bestimmten Zahl von Drucken.

  • Themenfeld übergreifend

    Jeder einzelne ist dafür verantwortlich durch sein Lebens- und Konsumverhalten, etwas beizutragen. Jeder nach seinem Vermögen, seinem Potenzial und seinen Möglichkeiten. Auf unterschiedliche Weise kann sich jeder auf bestimmten Gebieten optimieren, eigene Ideen entwickeln und diese weitertragen: Müll, Verbrauch, Kleidung, Verkehr, Lebensmittel, IT, Bildung.

  • IT

    Damit für Nutzer/-innen transparent ist, wie hoch ihr Energieverbrauch bei Web-Dienstleistungen (Suchanfragen) ist, sollte bei diesen verpflichtend der dafür nötige Energieverbrauch angezeigt werden.

  • Verpackung

    Es braucht eine schärfere Verpackungsverordnung, die die Industrie per Gesetz zwingt keine Mehrverpackungen zu nutzen und die Verpackungsgrößen auf den Inhalt anzupassen. Mehrweg muss auf möglichst viele Produktgruppen angewendet werden.

  • Verkehr

    Sinnvoll wäre ein kostenfreier ÖPNV, damit dieser von mehr Leuten genutzt wird und der Individualverkehr zurück geht. Bei der Förderung sollten soziale Kriterien im Mittelpunkt stehen.“

  • Verpackung

    Verpackungsfreies Einkaufen bei gleichzeitiger Einhaltung von Hygienebestimmungen muss möglich sein. Käufer/-innen bringen eigene Gefäße mit und lassen Wurst, Fleisch, Käse oder lose Lebensmittel wie Tee hier drin abfüllen.

  • Verpackung

    Verpackungen, die nicht gut begründet werden können, sollten verboten werden. Dafür braucht es eine Institution, die Richtlinien setzt und diese streng kontrolliert. Verpackungsalternativen müssen gefördert und publik gemacht werden.

Ideensammlung der Teilnehmenden in Hameln


Ergebnisse

Bauen und Wohnen

Baumaterialien, wie beispielsweise Dämmmaterialien, müssen zukünftig auf Kriterien zur Ressourceneffizienz geprüft werden.
Die Bürgerinnen und Bürger fordern eine intelligente Bauweise, die vor allem zukunftsgerichtet ist und auch den Rückbau von Gebäuden oder die Zweit- bzw. Drittnutzung berücksichtigt. Altersgerechtes Wohnen ist hier ebenso ein Thema wie eine energiesparende Bauweise.

IT und Telekommunikation

Man muss Limits für die Hersteller einführen und sie mehr in die Pflicht nehmen. Es braucht ein Verbot von digitalen Sollbruchstellen z.B. bei Druckern. Außerdem sollten Service und Rücknahme von Geräten erweitert werden, sodass z.B. alte gegen neue Teile eingetauscht werden können (Förderung der Langlebigkeit bei Basisprodukten). Herstellungsbedingungen müssen transparent ausgewiesen werden.

Kleidung und Textilien

Kennzeichnungspflicht zur Transparenz (z.B. Ampelsystem): Angeregt wurde ein Zertifikat und ein Label, das sowohl soziale Kriterien als auch Umweltschutz/Ressourcenverbrauch und chemische Belastung misst und für Langlebigkeit/Qualität steht.
Eine Alternative wurde in der Herstellung von Textilien unter besseren Bedingungen und mit mehr Kontrollen in der Region: Deutschland oder Europa gesehen (heimische/europäische Produktion). Neben den Vorzügen der besseren sozialen Bedingungen ist hier aber natürlich der Ressourcenverbrauch für die Produktion höher, wenngleich die geringeren Transportwege ressourcenschonend wären.